Ökumenischer Studientag „Spiritualität“ - Was wir voneinander lernen können

„Glaubensschönheiten treffen sich im Pfarrsaal von Dransfeld“

An diesem Samstag unternahmen die Evangelische Erwachsenenbildung Südniedersachsen und das Katholische Bildungswerk Göttingen gemeinsam den Versuch eines spirituellen Brückenbaus.

Würden sich die Brückenköpfe treffen und aneinander fügen oder würden sie aneinander vorbeigehen? Würden sich Menschen im positiven Falle darauf trauen oder doch lieber auf der bekannten eigenen Seite verbleiben. Welche spirituellen Andachtsformen wären gut ökumenisch vertretbar, wenn man niemanden aus der Brüdergemeinschaft von Taize gewinnen kann. Ein spannendes Experiment, das im Vorfeld viele Fragen aufwarf und auf interessierte Besucherinnen hoffte.

Mit gut 40 Personen wagte der Studientag den Auftakt, jeweils von den Glaubensschönheiten der eigenen Konfession zu berichten und die Frage gegenseitiger Inspiration zu stellen.

Dagmar Stoltmann-Lukas, als Ökumenebeauftragte des Bistums Hildesheim und derzeitige Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Niedersachsen, spannte den Bogen ökumenischer Geschichte und des gegenseitigen Verhältnisses auf und verortete darin ganz praktisch gemeinsame Entwicklungsmöglichkeiten. Sich nicht vorrangig mit den vergangenen Streitigkeiten beschäftigen, sondern sich in der „Ökumene der Sendung“ und in der gemeinsamen Perspektive des Glaubenszeugnisses treffen.

Mit Pastor Klaus Dettke, dem Leiter des geistlichen Zentrums Kloster Bursfelde, führte ein großer Kenner der Spiritualität Martin Luthers die Anwesenden durch dessen Lebenswerk und Glaubenswelt. Gekonnt zeigte er Parallelen und Verschränkungen mit der katholischen Geisteswelt Luthers, aber auch seine spezifischen Weiterentwicklungen. Anrührend, wie Luther seinem Freund und Frisör ein eigenes Büchlein zum Gebet schrieb.

Pastor Andreas Ohlemacher hatte es übernommen in gaußscher Manier, die spirituelle Landschaft Deutschlands zu vermessen, wie sie sich in einschlägigen Milieustudien zeigt. Fakten, Tabellen, Landkarten halfen in ihrer Übersichtlichkeit ein Gefühl für regionale Cluster spirituellen Lebens in Deutschland zu entwickeln. Ein Einblick, der allen verdeutlichte, warum Gebetsgemeinschaften nur im Kleinen leben können und warum wir gut viele ausdifferenzierte von ihnen gebrauchen können.

Pater Christoph Wrembek SJ, Jesuit und bekannter Buchautor, zeigte das spirituelle Feuer des Ordensgründers Ignatius auf. Ignatius, ein Zeitgenosse Luthers, gab seinen Gefährten im Glauben eine jesuanische Ausrichtung. In seinem Exerzitienbuch gibt er klare Anweisungen, aber nicht minder deutlich den Hinweis, dass der Glaubende das Gegenteil vom Geschriebenen tun müsse, wenn es nicht funktioniere oder sich die Umstände geändert hätten. So könnten Jesuiten zutiefst papsttreu sein und zugleich auch sein größter Kritiker. Der Maßstab liege in der jesuanischen Nachfolge. Mit wenigen klaren Fragen bezog der alte weise Mann die Anwesenden in seine Überlegungen zu geistlichen Übungen mit ein. Sein Rat: nicht viel, aber regelmäßiges geistliches Üben sei wichtig.

Diakon Helmut Hanusch und Pastor Henning Dobers berichteten aus der fruchtbaren ökumenischen Bereicherung der Charismatischen Erneuerungsbewegung in beiden Kirchen. Lebhaft, engagiert und durchaus feurig wussten sie aus vielen Begegnungen Spannendes aus dem alltäglichen Gebetsleben zu erzählen und den Heiligen Geist inspirierend in die Gebetsmitte einzuladen.

Eine vertiefende Phase in Kleingruppen erlaubte es allen, miteinander geistlich Gehaltvolles auszutauschen unter Einbeziehung der Referenten. Deshalb hießen die Kleingruppen nicht zufällig Gruppe „Luther“, „Ignatius“ und „Heiliger Geist“.

In der evangelischen Kirche in Dransfeld traf man sich vor dem ökumenischen Abschlussgottesdienst, den Pastor Ohlemacher gestaltet hatte, noch für eine Stunde mit Vertretern aus verschiedenen Praxisgruppen. Diese berichteten kurz vom geistlichen Kern ihres Anliegens und hatten schönes Anschauungsmaterial vorbereitet, so dass es sich lohnte, einen Rundgang über den spirituellen Marktplatz zu machen. So konnte man Cursillo, die Ökumenische Abendvesper, die Schönstatt-Bewegung, die Pilgergemeinschaft St. Jakobus und die Pilgergemeinschaft Loccum-Volkenroda sowie den Ökumenischen Gottesdienst mit Yoga kennenlernen. Ein reizvoller Einblick in die Verschiedenartigkeit tiefen Glaubenslebens.

Und damit dies alles nicht in großer Atemlosigkeit stattfand (Atem und Hl. Geist stammen sprachlich aus der gleichen Wurzel) betete Frau Javernik mit allen das Kyrie in einer Atemübung.

Detlef Sturm, ein Teilnehmer, sprach abschließend allen aus dem Herzen:
"Der 'Heilige Geist' wirkt nicht nur in mir und In Ihnen, liebe Brüder und Schwestern, sondern wenn er wahrhaftig und gegenwärtig gebündelt ist, dann ist er nicht nur innen spürbar, sondern auch im äußeren Raum sichtbar."

(Kerstin Remane, Evang. Erwachsenenbildung; Dr. Corinna Morys-Wortmann, Kath. Bildungswerk; Pastor Andreas Ohlemacher, Hedemünden; Gisbert Nolte, Dekanatsreferent)
Bericht: Gisbert Nolte